#6 Die Angst vor deiner eigenen Größe (und was Du dagegen tun kannst)

Die Angst vor der eigenen Größe ist eine ganz schön knifflige Angelegenheit. Wenn Du zögerst, etwas Großes anzugehen und aktiv zu werden, steht für dich wahrscheinlich auf den ersten Blick die Angst vor dem Scheitern im Vordergrund. Sie ist ganz offensichtlich und „winkt“ dir geradezu überschwänglich. Direkt dahinter und nicht weniger mächtig steht jedoch die Angst vor der eigenen Größe. Und gegenüber der Angst vorm Scheitern ist die Angst vor der eigenen Größe weitaus hartnäckiger und legt sich wie ein Schleier auf ganze Bereiche deines Lebens. Sie hat die Power, dich komplett auszubremsen und führt im schlimmsten Fall dazu, dass Du dein gesamtes Leben lang mit „angezogener Handbremse“ lebst. Es lohnt sich also, diese Form der Angst genauer zu beleuchten.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die Angst vor der eigenen Größe bedeutet, welche Ursachen sie haben kann und welche Kniffe dir dabei helfen können, besser mit ihr umzugehen oder sie sogar zu überwinden.

Die Angst vor der eigenen Größe: Was ist das?

Es klingt zunächst widersprüchlich: Warum solltest Du Angst vor deiner eigenen Größe haben? Die meisten Menschen möchten doch ihr volles Potenzial verwirklichen und all die wunderbaren Chancen und Möglichkeiten die das Leben für sie bereithält, ausschöpfen. Theoretisch ist das so, ja. Aber im realen Leben ist das Ganze leider nicht so einfach.

Anzeichen, an denen Du erkennen kannst, dass Du deine eigene Größe noch nicht voll lebst:

  • Du spürst eine latente Unzufriedenheit in deinem Leben
  • Du stehst dir selbst „im Weg“ und sabotierst dich selbst
  • Du spürst Begierde oder sogar Neid wenn Du jemanden siehst, der genau das macht, was Du gerne in deinem Leben verwirklichen würdest

Die Angst vor der eigenen Größe: Ihre Erscheinungsformen

Wenn Du also genau in dich hineinspürst und beobachtest, wann diese Angst in ihrer reinsten Form auftritt, wirst Du feststellen, dass sie zuerst einem diffusen Erschrecken gleicht. Einem Erschrecken vor deiner eigenen Großartigkeit. Deinem vollen Potential. Was diesem Erschrecken folgt, sind meist Befürchtungen und Ausreden die in dir aufsteigen und die dich davon überzeugen, dich lieber weiterhin zu verstecken und dein Können nicht zu zeigen. Meistens erfolgt der Übergang vom Erschrecken hinüber zu unseren Befürchtungen übrigens blitzschnell, sodass wir bewusst nur noch unsere Befürchtungen und Ausreden wahrnehmen. Diese Befürchtungen können sich in unterschiedlichen Erscheinungsformen der Angst vor der eigenen Größe äußern.

Fast alle Erscheinungsformen verbindet jedoch, dass sie etwas mit der Reaktion anderer auf uns zu tun haben.

Erscheinungsformen der Angst vor der eigenen Größe:

  • Die Angst, sichtbar zu werden (meist in Kombination mit einer der nachfolgenden Ängste)
  • Die Angst, angreifbar zu werden
  • Die Angst, arrogant zu wirken („Denk ja nicht, dass Du etwas Besseres wärst“)
  • Die Angst, nicht (mehr) dazu zugehören
  • Die Angst vor Ablehnung und Neid

Die Handbremse lösen: 4 Tipps  

Mit der Angst vor der eigenen Größe ist es wie mit jeder anderen Angst auch: es gibt (leider) keinen Schalter den Du umlegen kannst, um dich davon zu befreien. Es ist vielmehr ein Prozess, der viele kleine Schritte beinhaltet und bei dem es mal einen Schritt nach vorn, aber immer mal wieder auch einen Schritt nach hinten geht. 

Was kann dir also dabei helfen, deine Größe zu leben und deine innere Handbremse Stück für Stück zu lösen?

  1. Erkenne was ist und was Du WIRKLICH möchtest

Werde dir deiner Gefühle bewusst und gestehe dir ein, dass Du Angst hast. Gehe hierzu die oben aufgeführten Anzeichen und Erscheinungsformen in Ruhe durch und beleuchte die unterschiedlichen Bereiche deines Lebens. In welchen Bereichen zögerst Du vor dem nächsten Schritt? Horche in dich hinein: Was möchtest Du WIRKLICH? In welche Richtung zieht es dich?

  1. Hinderliche Glaubenssätze und Gedankenmuster erkennen

Oft sind es unsere Glaubenssätze und Gedankenmuster, mit denen wir uns selbst ausbremsen. Glaubenssätze sind Überzeugungen und Gedanken, die wir über uns selbst und die Welt haben. Diese Glaubenssätze können dich aufbauen und beflügeln oder aber kleinhalten und ausbremsen.

Bsp.:

    • „Das wird sowieso nichts“
    • „Ich hab das nicht verdient“
    • „Das macht man nicht“
    • „Jetzt heb‘ mal nicht ab“

Meistens fallen einem die eigenen Glaubenssätze nicht auf Anhieb ein. Vielleicht denkst du sogar, dass Du gar keine Glaubenssätze hast. Nimm dir daher ein paar Tage Zeit und beobachte deine Gedanken in verschiedenen Situationen. Immer, wenn dir ein Glaubenssatz auffällt, notiere ihn und reflektiere, ob er dir hilft oder dich bremst.  

  1. Prüfe dein Umfeld

Wir sind alle soziale Wesen und brauchen die Kontakte zu und den Austausch mit anderen. Allerdings nicht um jeden Preis. Manchmal halten wir uns aus Loyalität zu anderen klein, um bestehende Beziehung nicht zu gefährden. Und passen uns mehr an andere an, als es uns eigentlich gut tun würde. Die Menschen in deiner Umgebung üben einen enormen Einfluss auf dich aus. Prüfe daher genau, mit wem du deine Zeit verbringst und wähle die Menschen in deinem Umfeld bewusst aus. Suche dir Menschen, die dich unterstützen und sich dir gegenüber liebevoll und wohlwollend verhalten. Dazu gehört auch, dass sie ehrlich mit dir sind und dir Verbesserungspotentiale liebevoll zurückspiegeln. Solche Menschen freuen sich mir dir wenn du dich entfaltest und halten dich nicht klein, sondern ermutigen dich für deine Träume loszugehen.

  1. Probiere dich aus und stelle dein Selbstbild in Frage

Probiere dich in verschiedenen Situationen aus. Wie fühlt es sich an, wenn du in bestimmten Situationen eine andere Facette von dir zeigst? Wenn Du z.B. in einem Meeting das Wort ergreifst und ein Stück von deinem Wissen zeigst? Oder wenn Du deine Business-Idee in einem kleinen Rahmen testest? Z.B. in Form eines Festivalstands, anstatt direkt ein ganzes Ladenlokal zu mieten? Teste deine eigenen Grenzen Stück für Stück aus und stelle dein eigenes Selbstbild in Frage. Nur weil Du bestimmte Dinge bisher in einer bestimmten Art und Weise getan hast, heißt das nicht, dass Du das bis zu deinem Lebensende so weiter machen musst. Du hast in jeder einzelnen Sekunde deines Lebens die Freiheit, dich für eine andere Verhaltensweise zu entscheiden.

Bequemlichkeit vs. Für deine Träume einstehen

Natürlich ist es deutlich bequemer, möglichst angepasst und durchschnittlich zu leben. Es wird zwar auch dann Menschen geben, die dich kritisieren und versuchen dich klein zu machen. Aber deutlich weniger, als wenn Du etwas tust, was nicht jede*r macht. Wenn Du keinen Neid erzeugst, sondern dich mit wenig zufrieden gibst. Aber ist das wirklich die Alternative?

Möchtest Du unter deinen Möglichkeiten bleiben, nur weil andere Menschen sich das Maul über dich zerreißen könnten?

Es ist nämlich so: In 10 Jahren wirst Du dich meistens gar nicht mehr an die Angriffe anderer Menschen erinnern. An ihre abschätzigen Blicke, stichelnden Kommentare und Gemeinheiten. Diese Menschen werden sich wahrscheinlich selbst nicht mehr daran erinnern können. Womit Du aber in 10 Jahren leben musst, ist dein eigener prüfender Blick auf dein eigenes Leben: Bist Du zufrieden, da wo du stehst? Hast Du deine Chancen genutzt oder hast Du großartige Chancen aus Angst verstreichen lassen? Hast Du versucht, deine Träume zu leben? Es erfordert Kraft, immer wieder in sich hinein zu spüren und deinen ganz eigenen Lebensentwurf zu verwirklichen. Dein Leben so zu leben, wie Du es für richtig hältst. Das in dir schlummernde unbegrenzte Potenzial zu verwirklichen.

Du hast die Wahl. Jeden Tag aufs Neue.

Unsere größte Angst ist nicht, unzulänglich zu sein. Unsere größte Angst ist, grenzenlos mächtig zu sein. Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit ängstigt uns am meisten.

Nelson Mandela