#8 Warum Erwartungen dein Lebensglück vergiften können

Allzu oft geben wir anderen Menschen die Verantwortung dafür, dass wir uns frustriert, genervt oder wütend fühlen. Denn es ist verdammt einfach, jemand anderem die Schuld dafür zu geben, dass es dir schlecht geht. Aber Dinge im Außen sind eigentlich nie Grund für deine Gefühle, sondern lediglich ein Auslöser für das, was danach in dir passiert. Oft verursachen deine eigenen (enttäuschten) Erwartungen an das Verhalten anderer Frustrationen, Wut und zwischenmenschliche Kämpfe.

(Enttäuschte) Erwartungen sind ein Garant für großes Drama

Unser gesamtes Leben ist durchzogen von Erwartungen. Erwartungen, wie sich unser Leben entwickelt, wie sich Menschen verhalten sollten und wie mit uns umgegangen wird. Von außen betrachtet kann es hierbei um verhältnismäßig harmlose Dinge gehen, die aber zu riesigen zwischenmenschlichen Dramen führen können. Z.B. die Erwartung, dass dein/e LebenspartnerIn ein super leckeres Essen für dich kocht, wenn Du von der Arbeit nach Hause kommst. Oder die Erwartung, dass Du ganz viele/ganz teure/ganz spezielle Weihnachtsgeschenke bekommst und dir jeder Wunsch geradezu telepathisch von den Augen abgelesen wird. Und obwohl diese Vorstellungen nur in deinem Kopf existieren, haben sie einen enormen Einfluss auf deine Gefühle und deine Zufriedenheit.

Erwartungen machen dich abhängig von Dingen im Außen

Die Probleme fangen meist an, wenn Du ein Bild von der Welt hast, wie sie sein sollte, und damit gewissermaßen die Augen vor der Realität verschließt.Denn in dem Moment, in dem Du Erwartungen hast, machst Du dein Wohlbefinden und dein Glücksgefühl davon abhängig, dass sich eine Situation im Außen entsprechend deinen Erwartungen entwickelt. Wenn die Situation deinen Erwartungen nicht entspricht, reagierst Du enttäuscht, traurig oder sogar wütend und aggressiv-vorwurfsvoll. Und dann gibst Du die Schuld für deine schlechte Stimmung den miesen äußeren Umständen in deinem Leben. 

Mach dir das klar: Deine Erwartungen existieren nur in DEINEM Kopf. Und Du trägst die volle Verantwortung für das, was in deinem Kopf vorgeht. Und noch viel wichtiger: Du trägst auch die alleinige Verantwortung dafür, wie Du auf die äußeren Umstände deines Lebens reagierst. Na toll. Und was kannst Du machen, wenn Du mal wieder richtig tief drin steckst in dem Kreislauf von Erwartungen, Wünschen und Enttäuschungen?

5 praktische Impulse zum Umgang mit deinen eigenen Erwartungen:

  1. Erlaube dir, deine eigenen Gefühle wirklich zu fühlen

Versuche, aufkommende Gefühle der Enttäuschung und Frustration, die infolge enttäuschter Erwartungen in dir hochkommen, wirklich zu fühlen. Wenn Du weinen musst, weine ruhig. Falls Du gerade unter Menschen bist (z.B. auf der Arbeit) und nicht weinen möchtest, kannst Du dir dafür auch zu einem späteren Zeitpunkt bewusst Zeit nehmen und dich im Nachhinein erneut in die Situation hineinversetzen.

Welche Gefühle kommen in dir hoch und in welcher Körperregion fühlst Du sie? Brennt es in deiner Brust? Fühlst Du einen Kloß in deinem Hals? Oder vielleicht etwas ganz anderes? Analysiere deine Gefühle möglichst nicht mit deinem Kopf, sondern erlaube dir, sie mit deinem ganzen Körper zu fühlen und gib ihnen Raum und Aufmerksamkeit.

  1. Entflechte den „Strudel“ aus Emotionen, Bewertungen und Gedanken

Nachdem Du dir erlaubt hast, die in dir aufkommenden Gefühle zuzulassen und wirklich zu fühlen, probiere folgendes aus: Versuche, deine Gedanken, Bewertungen und Gefühle bei der nächsten Situation, bei der deine Erwartungen enttäuscht werden, bewusst wahrzunehmen und sie genau auseinander zu halten. Das ist gar nicht so einfach, weil Gefühle, Gedanken und Erwartungen oft fließend in einer Art „Strudel“ ineinander übergehen.

Vielleicht merkst Du zuerst auch gar nicht, dass Du überhaupt bestimmte Erwartungen in dieser Situation hattest, sondern bemerkst lediglich, dass Du wütend, traurig oder enttäuscht bist. Schaue genau hin, was zuerst als Reaktion auf etwas in der Außenwelt in deinem Innern „hochkommt“: Bewertest Du das Verhalten der anderen Person sofort? Kommt in dir eine Erinnerung an eine Situation aus der Vergangenheit hoch, in der Du Ähnliches schon einmal erlebt hast? Spürst Du Empörung und/oder Wut, weil etwas geschieht, was nicht mit deinen Werten in Einklang steht und deinen Erwartungen „wie etwas zu sein hat“ widerspricht?

  1. Sieh die Welt, wie sie wirklich ist (und nicht wie du sie dir wünschst)

Verschließe nicht die Augen vor der Realität. Sieh die Menschen um dich herum wie sie wirklich sind und nicht, wie Du sie dir wünschst. Bsp.: Du hast eine sehr sparsame (manchen würden sagen: geizige) Freundin und ärgerst dich darüber, dass sie „nie“ Trinkgeld gibt? Es fällt dir vielleicht schwer, aber: Erwarte nicht von ihr, dass sie sich ändert. Du hast nicht das Recht, von anderen zu erwarten, dass sie sich ändern und so verhalten, wie Du es dir vorstellst. Geh stattdessen mit guten Vorbild voran und handele so, wie du es für richtig hältst. Deine Wahrnehmung und Bewertung, dass „Geiz“ etwas negatives ist, ist allein dein „Problem“. Vielleicht nimmt sich deine Freundin selbst auch gar nicht als geizig, sondern lediglich als „sparsam“ wahr und hat Gründe, warum sie sich so verhalten möchte.

  1. Übernimm Verantwortung

Gib anderen Personen nicht die Schuld dafür, wie Du dich fühlst! Übernimm für deine Gefühle und dein eigenes Verhalten die Verantwortung. Denn das ist das Einzige, das Du beeinflussen kannst. Zum obigen Beispiel: Wenn sich deine Freundin großzügig verhält, freu dich darüber. Wenn nicht, dann sei aber auch nicht enttäuscht. Wenn du mit ihrem geizigen Verhalten nicht klarkommst, ist das allein DEIN Problem. Du hast lediglich für dich die Wahl: Wenn Du partout nicht mit Ihrem Verhalten leben kannst, solltest du überlegen, wie viel Zeit du zukünftig mit ihr verbringen möchtest.

  1. Eigene Bedürfnisse als solche erkennen und formulieren

Hinter jeder deiner Erwartungen steckt ein Bedürfnis. Z.B. ein Bedürfnis nach Nähe, nach Anerkennung, nach Verbundenheit usw. Für Beziehungen auf „Augenhöhe“ ist es unerlässlich, dass Du deine eigenen Bedürfnisse als solche erkennst und auch (idealerweise in „Ich-Form“) benennen kannst.

Bsp.: „Ich bin müde und brauche  Ruhe. Daher gehe ich schonmal (früher als dein/e Partner/in) nach Hause.“ 

Auch bei diesem Beispiel gilt: Erwarte nicht von deinem Gegenüber, dass es alles stehen und liegen lässt, um dein Bedürfnis zu erfüllen. Erkenne deine eigenen Bedürfnisse als solche und stehe selbst dafür ein. Sorge selbst dafür, dass es dir gut geht. Für dein Wohlbefinden und dein Glück bist DU selbst verantwortlich und niemand sonst auf der Welt.

Ausnahmen: Gibt es berechtigte Erwartungen?

Damit Du mich nicht falsch verstehst: Es gibt meines Erachtens auch Bereiche, in denen Du völlig zu Recht bestimmte Erwartungen hast. Im Job wird z.B. erwartet, dass Du dein Bestes gibst, pünktlich bist und dich kollegial verhältst. Und jeder Mensch darf erwarten, mit Anstand und Respekt behandelt zu werden.

Diese Art von Erwartungen sind allerdings nicht starr, sondern verändern und entwickeln sich im Laufe der Zeit. Zudem unterscheidet sich die Definition dessen, was unter „Anstand“ und „Respekt“ zu verstehen ist, von Mensch zu Mensch. Das kann wiederum zu Missverständnissen und Frust im Fall enttäuschter Erwartungen führen.

Fazit: Solltest Du gar keine Erwartungen an andere haben?

Heißt das, dass Du nun gar keine Erwartungen an andere haben solltest? Ja und nein. Niemand kann sich komplett davon frei machen, Erwartungen an andere zu haben. Jede/r sollte sich so verhalten können, wie sie oder er es für richtig hält. Eine Grenze ist lediglich dort erreicht, wo das eigene Verhalten anderen schadet. Denn dass man sich so verhält, dass man anderen nicht schadet, ist eine der Mindestanforderungen für ein friedliches Zusammenleben auf dieser Welt.