#12 Go with the flow: Wege zu mehr innerer Leichtigkeit

Im Alltag ist es oft gar nicht so einfach, uns unsere Leichtigkeit und Unbeschwertheit zu bewahren. Wir tragen Verantwortung für uns selbst und andere, bezahlen Rechnungen und müssen an Dinge wie Kündigungsfristen und Altersvorsorge denken. Und Steuererklärungen, Existenzsorgen, Rechtsstreitigkeiten und das Kleingedruckte in Kreditverträgen lösen in den meisten von uns auch nicht gerade ein Gefühl von Leichtigkeit und Lebensfreude aus.

Von Kindern können wir uns eine Menge in Sachen Leichtigkeit abgucken: Sie leben voll im Hier und Jetzt, machen sich keine Sorgen, albern herum und sind voller Neugierde und Faszination für die kleinen Wunder des Lebens. Doch wie können wir uns ein Stück von dieser Leichtigkeit wieder in unser Leben zurückholen? Schließlich waren wir ja alle mal Kinder.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Leichtigkeit und Freude in jedem Menschen tief verankert sind, auch wenn sie manchmal noch so gut hinter Ernsthaftigkeit, Alltagssorgen und Stress versteckt sein mögen.

Was hilft also auf dem Weg hin zu mehr Leichtigkeit im Alltag?

  1. Muss es „schwer“ und „anstrengend“ sein?

„Von nichts kommt nichts“, „Ohne Fleiß kein Preis“, „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“… Viele von uns haben diese (oder ähnliche) Überzeugungen tief verinnerlicht und hinterfragen sie gar nicht mehr. Kein Wunder also, dass sich Arbeit anstrengend anfühlen muss und sich viele mit ihren Überstunden brüsten. Aber muss das wirklich sein? Muss sich Arbeit für dich anstrengend und schwierig anfühlen, damit Du das Gefühl hast, etwas  geleistet zu haben? Gibt es vielleicht noch einen anderen Weg?

  1. Gewinne inneren Abstand

Wirst Du dich an das, worüber Du dich gerade aufregst oder worüber Du dich gerade sorgst, überhaupt noch in 10 Jahren erinnern? Im Alltag drehen wir uns oft nur um uns selbst und unseren kleinen Mikrokosmos. Trete einen Schritt zurück und versuch die Dinge mit etwas Abstand zu sehen. Hierfür kann es auch helfen, wenn du dich mit guten FreundInnen austauschst und dadurch eine andere Perspektive auf deine (Alltags-) sorgen bekommst.

  1. Lass los

Gerade wenn Du sehr fokussiert bist und einen starken Willen hast, fällt es dir vielleicht schwer: aber übe dich darin, loszulassen. Das Leben lässt sich nicht kontrollieren. Tu dein Bestes und vertraue dann ins Leben. Die Dinge entwickeln sich ohnehin meistens anders, als wir es uns vorher vorgestellt haben (und das ist auch gut so!). Sei auch mal faul und gammele ab, ohne etwas zu erledigen, dich abzulenken oder „produktiv“ zu sein. Wenn Du viel schaffst, brauchst Du auch viel Zeit, um deine Batterien wieder richtig aufzuladen. Der Mix macht‘s! Wichtig: Wenn Du arbeitest, versuche zu 100 % bei der Aufgabe zu sein, die Du bearbeitest. Und wenn Du entspannst, versuche wirklich voll und ganz zu entspannen und nicht über deinen Job nachzudenken.

  1. Nimm dich selbst nicht zu ernst

Ich weiß, es ist hart, aber: in 100 Jahren wird sich wahrscheinlich kaum noch irgendein Mensch auf der Welt an dich erinnern. Dein Leben ist kurz und kann jeden Tag vorbei sein. Hab Spaß und nimm dich selbst nicht so ernst. Wenn dir etwas Peinliches passiert, hast Du deinen FreundInnen immerhin im Nachhinein eine lustige Geschichte zu erzählen. Albere herum, zieh Grimassen, tanze verrückt herum, lass dich durchkitzeln oder äffe dich selbst nach. Versuche das Absurde im Alltäglichen zu sehen.

Lebensfreude ist nicht gleichbedeutend mit Faulheit

Leichtigkeit hat nichts mit Faulheit und Bequemlichkeit zu tun. Denn viele Dinge lassen sich nur mit viel Arbeit erreichen und fordern dich heraus. Und gerade die Dinge, die uns herausfordern, empfinden wir erstmal als lästig, unbequem und möchten uns am liebsten darum herumdrücken. Manchmal steckt hinter dieser Art von Bequemlichkeit auch die Angst vorm Scheitern oder Selbstsabotage.

Unser Gehirn liebt Herausforderungen

Unser Gehirn liebt es Probleme zu lösen, die uns wichtig sind und uns „unter die Haut gehen“ (in diesem Beitrag erläutert der Neurobiologe Gerald Hüther, warum unser Gehirn es liebt, kreative Lösungen für Probleme aller Art zu finden). Hierfür brauchst Du natürlich etwas, das dich wirklich begeistert und „packt“; deine Motivation, also dein „Warum“ spielen hierbei eine große Rolle.

Wenn Du also Dingen auf die Spur kommst die dir wirklich wichtig sind, steigen die Chancen, dass Du deine angeborene Neugierde und spielerische Freude an der Bewältigung von Herausforderungen wieder entdeckst und dadurch eine Form von innerer Leichtigkeit entdeckst, die dich auch durch anstrengende Phasen hindurch trägt.