#13 Wie man trotz Gegenwind dem eigenen Weg treu bleibt

Es ist manchmal gar nicht so einfach, den eigenen Werten treu zu bleiben und dafür einzustehen. Denn dazu gehört zwangsläufig, dass Du auch Dinge tust, die nicht allen gefallen und die vielleicht nicht alle Menschen in deinem Umfeld verstehen. In Momenten, in denen es richtig ungemütlich wird und Du (fiesen) Gegenwind von allen Seiten bekommst, scheint es besonders verlockend, den Kritikern einfach nachzugeben, um wieder zu gemocht zu werden und anderen zu gefallen. Denn Du brauchst viel innere Kraft und Selbstsicherheit, um die unangenehmen Gefühle auszuhalten, die als Reaktion auf Gegenwind und harsche Kritik in dir entstehen können.

„Bin ich gut genug?“

„Schaffe ich das überhaupt?“

„Was habe ich mir dabei gedacht?“

Diese und ähnliche Fragen die wir uns in solchen Momenten durch den Kopf gehen sind Ausdruck von Scham, Angst, Selbstzweifeln und Unsicherheit. Vor allem das Gefühl der Angst hat sehr viele verschiedene Gesichter und versteckt sich manchmal hinter anderen Gefühlen, die wir besser mit unserem Selbstbild vereinbaren können, wie z.B. Wut oder Trauer. Auch wenn es zunächst paradox klingt: Um wirklich stark zu sein, musst Du genau hinschauen was in dir passiert, die unangenehmen Gefühle wirklich fühlen und darfst sie nicht beiseite schieben.

Integrität vs. Die Angst, nicht gemocht zu werden

Integrität bedeutet, mutige und unbequeme Entscheidungen zu treffen und für das einzustehen, was richtig ist, anstatt den leichten Weg zu wählen. Und mutige Dinge zu tun bedeutet zu handeln, obwohl Du Angst hast. Vor allem die Angst vor Ablehnung hält uns allerdings häufig davon ab, mutig zu sein und Dinge anders zu machen, als sie andere von uns erwarten. Die Angst davor, aus einer Gruppe ausgeschlossen und von anderen Menschen kritisiert zu werden, sitzt bei allen Menschen tief.

Und das ist kein Wunder: Noch vor wenigen Jahrhunderten hing schlichtweg das eigene Überleben davon ab, ob man zur Gemeinschaft dazugehörte oder als „Ausgestoßene“ den Gefahren der Welt schutzlos ausgeliefert war. Und obwohl unser eigenes Überleben längst nicht mehr davon abhängt, von allen Menschen in unserem Umfeld gemocht zu werden, lähmt die Angst vor Ablehnung viele von uns immer noch.

Ist es automatisch rücksichtslos, den eigenen Weg zu gehen?

In gewissem Maß ist die Einschätzung anderer natürlich auch ein wichtiges und gesundes Korrektiv für unser eigenes Verhalten. Denn wir alle haben Denkfehler, „blinde Flecken“ und machen Fehler die wir manchmal erst sehen, wenn andere uns darauf hinweisen. Ich finde es daher manchmal ein bisschen befremdlich, wenn Menschen davon sprechen, man solle gar nicht mehr darauf hören, was andere Menschen sagen und komplett sein „eigenes Ding“ zu machen. Denn konstruktive Kritik und Verbindung zu anderen ist unglaublich wichtig für unsere eigene Weiterentwicklung.

Wir sind alle soziale Wesen und sind mit anderen verbunden, ob es uns gefällt oder nicht. Niemand lebt alleine und als komplett autarkes Individuum auf dieser Welt. Mit allem was wir tun, beeinflussen wir die Menschen in unserer Umgebung und unsere Umwelt (und wenn es nur durch den Abfall und das Abwasser ist, was wir hinterlassen und die andere Menschen für uns entsorgen). Den eigenen Weg zu gehen, sollte also nicht blind und rücksichtslos erfolgen, sondern immer auch die Folgen für die Menschen in deinem Umfeld und darüber hinaus berücksichtigen.

Wie kann es also gelingen, dass Du für deine eigenen Werte einstehst, mutig deinen eigenen Weg gehst und trotzdem in Verbindung mit den Menschen in deinem Umfeld bleibst?

4 Impulse für Integrität und Verbundenheit

  1. Mut und Angst gehören untrennbar zusammen

Mutig zu sein, bedeutet Risiken einzugehen und etwas zu tun, obwohl Du den Ausgang nicht kennst und Angst hast. Zum Beispiel Angst davor, wie andere darauf reagieren, dass Du eine unpopuläre Meinung vertrittst, für deine Werte einstehst, unangenehme Dinge ansprichst oder eine Seite von dir zeigst, die andere kritisieren können. Die gute Nachricht ist: Mut ist ein Verhalten, dass sich üben lässt wie ein Muskel. Die größte Herausforderung hierbei besteht allerdings darin, die unangenehmen Gefühlen die damit einhergehen, auszuhalten. Wenn Du etwas riskierst, werden einige Menschen dich angreifen und dir das Gefühl geben, dass Du falsch bist. Und das löst Angst aus und fühlt sich furchtbar an. In solchen Momenten ist die Versuchung groß, dem Druck nachzugeben und dich (wieder) an die Erwartungen anderer anzupassen, damit sie dich mögen oder dich zumindest in Ruhe lassen.

Wenn Du etwas wagst in deinem Leben, kommst Du allerdings nicht darum herum: Du wirst eine Riesenangst und viele andere unangenehme Gefühle und Zweifel haben. Und das ist vollkommen normal (die meisten sprechen nur nicht drüber). Stelle dich deiner Angst sowie den anderen unangenehmen Gefühlen. Fühle sie und akzeptiere sie als wichtigen Teil des Prozesses. Wenn diese unangenehmen Gefühle kommen, kannst Du sicher sein, dass gerade etwas von entscheidender Bedeutung für dich vor sich geht!

  1. Ohne dein „Warum“ bist Du verloren

Vielleicht kennst Du das: Wenn der Sturm der Kritiker über dich hineinbricht, vergisst Du warum Du dich ursprünglich überhaupt auf den Weg gemacht hast. Also WARUM Du das getan hast, wofür Du gerade kritisiert wirst. Wir vergessen in solchen Momenten also unsere Werte und unser „Warum“ und lassen uns dadurch in die Knie zwingen. Warum solltest Du also diese ganzen unangenehmen Gefühlen von Zweifel, Schuldgefühle und Angst aushalten und in Kauf nehmen, dass Du nicht gemocht wirst?

Die Antwort lautet: Weil dir etwas RICHTIG wichtig ist. So wichtig, dass Du tief in deinem Innern weißt, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Deine innere Klarheit über dein „Warum“ und deine Werte sind also wie ein Leitstern, den Du im Nebel zwischen unfairen Argumenten, Kritik, Zweifeln und lauten Stimmen, die dich runterziehen wollen, unbedingt brauchst.

Um dein „Warum“ herauszufinden, hilft ein Blick auf deine Werte und die Frage, was Du in diese Welt bringen möchtest. Wofür möchtest Du kämpfen? Wofür stehst Du morgens auf? Was möchtest Du in dieser Welt hinterlassen? (Lad dir gern das Worksheet zum Thema „Werte“ herunter, um herauszufinden, was dir wirklich wichtig ist).

  1. Halte deine Grenzen

Wenn es richtig „zur Sache“ geht, neigen einige Menschen dazu, unsachlich zu werden und versuchen, dich persönlich anzugreifen. Besonders dann, wenn sie selbst keine sachlichen Argumente (mehr) haben. Versuche dem Drang zu widerstehen, als Reaktion hierauf ebenso unfair „zurückzuschlagen“. Bleibe stattdessen klar in Verbindung mit deinem „Warum“ und ziehe Grenzen wenn erforderlich. Entwickle eine Haltung und Vorstellung davon, wie Du von anderen behandelt werden möchtest (und wie nicht). Recherchiere alle sachlichen (und wenn nötig rechtlichen) Argumente (oder hol dir hierfür Unterstützung), die für und gegen dein Vorhaben sprechen und setze dich ebenso mit den Argumenten deines Gegenübers auseinander. Bleibe sachlich und ruhig, auch wenn andere ausfällig werden. Nimm deutlich wahr, wenn jemand deine Grenzen überschreitet und kommuniziere eindeutig und unmissverständlich, welches Verhalten Du als grenzüberschreitend wahrgenommen hast. Wenn nötig, begebe dich aus der Schusslinie. Du kannst das Verhalten deines Gegenübers nicht kontrollieren. Du kannst nur für dich entscheiden, wie Du mit der Situation und diesem Verhalten deines Gegenübers umgehst.

  1. Suche dir Gleichgesinnte, die ehrlich (und wohlwollend) zu dir sind

Im Idealfall hast Du Menschen in deinem Umfeld, die dein Potenzial sehen, dich unterstützen, dir aber genauso (liebevoll) „contra“ bieten und (wenn von dir gewünscht) einen kritischen Blick auf deine Ideen werfen. Menschen, mit denen Du dich auf Augenhöhe austauschen kannst. Diese Menschen können ganz anders sein als Du; wichtig ist vor allem, dass sie dir wohlwollend gegenüber eingestellt sind. Fortschritt ist nur möglich, wenn Du bei dir selbst auch dahin schaust, wo es „weh tut“ und deine hässlichen Seiten genauso siehst wie deine schönen. Und hierfür brauchst Du andere Menschen, die dir den Spiegel vorhalten. Ehrliches Feedback und andere Perspektiven sind daher für deine Weiterentwicklung unheimlich wichtig.  In Momenten, in denen Du von anderen ungerechtfertigt kritisiert oder „klein“ gehalten wirst, werden diese Menschen aber umso mehr zu dir halten, dir den Rücken stärken und schwere Zeiten gemeinsam mit dir durchstehen.

Innovation und Veränderung braucht Konflikte, Reibung und Mut

Versuche, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Oft sagt die Kritik mehr über die Person des Kritisierenden aus, als über dich. Menschen haben sehr unterschiedliche Motive, warum sie sich in einer bestimmten Weise verhalten und diese Motive können sehr gegenläufig zu deinen eigenen Werten und Zielen sein. Egal was Du tust und wie sehr Du dich anstrengst: Du kannst nicht kontrollieren, was andere Menschen von dir denken und Du kannst auch nicht beeinflussen, ob sie dich mögen oder nicht. Mutig zu sein und trotz der eigenen Ängste zu handeln ist nicht immer angenehm, aber unglaublich wichtig. Ohne Mut und Risiko wirst Du nie ganz Du selbst sein können. Und ohne mutige Menschen, die vorangehen und Dinge trotz Gegenwind und Kopfschütteln anderer ausprobieren und ganz anders machen als sie bisher gemacht wurden, gäbe es keine Veränderung und Innovation in dieser Welt.  

Don’t choose silence over what is right.
It’s not my job to make others comfortable
or to be liked by everyone

(Brené Brown)