#14 Ein reflektierter und kritischer Umgang mit Nachrichten zu Pandemiezeiten: Geht das? (Teil 1)

Ein bewusster und zugleich kritischer Umgang mit Nachrichten ist aktuell wichtiger denn je, um im Dschungel von Fake News, Verschwörungstheorien und den vielen alltäglichen Herausforderungen vor die uns die Pandemie stellt, nicht den Überblick zu verlieren und innerlich aus dem Gleichgewicht zu geraten.

In diesem ersten Teil erhältst du ganz praktische Anregungen, die dir dabei helfen können, dich im Wirrwarr der Informationsflut zurechtzufinden: Was hilft dabei, Informationen einzuordnen und sich eine eigene Meinung zu bilden?

In Teil 2 teile ich nächste Woche Impulse mit dir, wie Du deinen eigenen Nachrichtenkonsum bewusster gestalten kannst, um die Balance zwischen Informiertheit und innerer Stabilität zu bewahren.

Los geht’s:

Demokratisierung der Medienmacht

Noch vor wenigen Jahrzehnten lag die Macht über die Verbreitung von Informationen in der festen Hand klassischer Medien wie Print, Radio und Fernsehen. Durch das Internet und Plattformen wie YouTube, Instagram, Facebook (aber auch Blogs wie diesem) kann nun jede/r selbst Inhalte produzieren und verbreiten. Die Macht dieser „demokratisierten“ Medien ist gewaltig: Je nach Reichweite der jeweiligen Person werden hierdurch in sehr kurzer Zeit deutlich mehr Menschen weltweit erreicht als mit den „klassischen“ Medien.

Für jede/n einzelnen bedeutet das aber auch, dass sie/er nicht nur täglich mit deutlich mehr Informationen konfrontiert wird, sondern auch, dass es eines reflektierten Umgangs mit Medien und Inhalten bedarf, um nicht einfach jeder erstbesten Meinung „hinterherzurennen“ oder völlig zu resignieren.

Education is not the learning of facts
but the training of the mind to think
(Albert Einstein)

5 Tipps für einen reflektierten Umgang mit Nachrichten:

  1. Sei kritisch

Hinterfrage, was Du liest und siehst. Es gibt sehr viele Fake-News, die zunächst plausibel wirken und professionell aufgemacht sind. Das betrifft zunehmend auch Videos und Tonaufnahmen und nicht nur schriftliche Falschmeldungen.

Bleib daher kritisch und versuche dir selbst ein Bild zu machen und zu recherchieren. Leider werden in Nachrichten viel zu selten die Quellen angegeben, sodass es einem nicht leicht gemacht wird, die Informationen selbst zu überprüfen.

Trotzdem gibt es einige Wege, wie Du Themen prüfen und auf den Grund gehen kannst:

    • Vergleiche die Berichterstattung verschiedener Medien zur selben Meldung: Welche Dinge werden unterschiedlich dargestellt? Werden andere Argumente oder Perspektiven verwendet? Welche unterschiedlichen Perspektiven könnte es zu dieser Meldung noch geben, die nicht wiedergegeben werden?
    • Was erfährst Du in dem Beitrag/ der Meldung nicht? Was würdest Du aber gern wissen und erfahren?
    • Versuche, gründlich zu recherchieren auch wenn es Zeit kostet und anstrengend ist. Die Algorithmen von Google orientieren sich auch an deinem Nutzerverhalten und können damit unter Umständen dazu führen, dass deine bereits bestehenden Ansichten „zementiert“ werden (vgl. auch Tipp Nr. 2). Probiere also auch mal über andere Suchmaschinen zu recherchieren anstatt alles zu „googeln“. Hier findest Du einige Alternativen zu Google.
    • Werde skeptisch, wenn Behauptungen aufgestellt werden, die nicht durch Quellenangaben belegt werden können. Falls Quellen angegeben werden, lies diese im Original nach, um zu überprüfen, ob in der Quelle tatsächlich das steht, was zitiert wurde.
  1. Versuche deine eigenen Ansichten zu hinterfragen

Glaubst Du manchmal Dinge, weil Du sie gerne glauben möchtest, auch wenn sehr viele gute Argumente dagegen sprechen? Bist Du von Dingen überzeugt, einfach weil sie gut in dein eigenes Weltbild passen? Wir alle neigen dazu, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie unsere eigenen bereits bestehenden Ansichten bestätigen. Dieser Mechanismus wird in der Wissenschaft als „Bestätigungsfehler“ bezeichnet und durch die Algorithmen der sozialen Medien weiter verstärkt. Das Feedback und die Perspektive von Menschen die ganz anders „ticken“ als Du, kann daher sehr hilfreich dabei sein, deine eigenen Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen und deinen eigenen Denkfehlern auf die Spur zu kommen.

  1. Objektivität ist eine Illusion

Ob Justiz, Wissenschaft oder Journalismus: echte Objektivität im Sinne eines neutralen Standpunktes gibt es nicht. Alle Entscheidungen und alles was Menschen denken, schreiben und tun, ist von subjektiven Sichtweisen geprägt und beeinflusst. Das gilt auch für die Wissenschaft. Trotzdem ist es natürlich vernünftig und wichtig für ein gutes Zusammenleben, sich als Gesellschaft auf gemeinsame Regeln des Zusammenlebens zu einigen und diese zum Wohle aller anzuerkennen.

  1. Es gilt die (leider) Formel: Schreckensmeldungen = Mehr Klicks = Mehr Geld

Die meisten Nachrichtenmedien bedienen ein voyeuristisches Bedürfnis nach Schreckensmeldungen und aufsehenerregenden Meldungen. Sensationen und Schreckensmeldungen bringen mehr Aufmerksamkeit als Berichte zu all den wunderbaren Dingen, die jeden Tag auf der Welt passieren (und ja, die passieren auch zu Zeiten von Corona!).

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Medien (wahrscheinlich aus Kosten- und Zeitnot) einfach die Meldungen anderer Zeitungen und Fernsehsendungen übernehmen und „nachplappern“.

  1. Unterstütze qualitativ hochwertigen Journalismus

Gute Recherche und investigativer Journalismus sind zeitaufwendig und daher teuer. Zugleich arbeiten viele JournalistInnen in prekären Arbeitsverhältnissen und werden zwischen Deadlines, Zeitdruck und Überarbeitung aufgerieben.

Unterstütze daher qualitativ hochwertigen Journalismus und gut recherchierte journalistische Angebote, die deine Zeit wert sind, dich zum Nachdenken anregen und dir einen wirklichen Mehrwert liefern.

Wie gehst Du (gerade aktuell zu Pandemiezeiten) mit Nachrichten um?

Welche Tipps helfen dir bei deinem reflektierten Umgang mit Nachrichten?

Ich freue mich, von Dir zu hören! Schreib mir gern über Instagram oder per E-Mail an: team@potentialhub.de