# 17 Die größten Mythen rund um das Thema Meditation

Meditation gewinnt seit Jahren an Beliebtheit. Trotzdem ranken sich nach wie vor viele Mythen um das Thema und darüber, was Meditation ist. Ich meditiere seit über 10 Jahren und weiß die Vorzüge der Meditation (z.B. erhöhte Stressresistenz, Gelassenheit, hohe Konzentrationsfähigkeit, bewusstes Erkennen eigener Grenzen) in meinem Alltag sehr zu schätzen.

Meditation ist im Grunde das Einfachste & Natürlichste der Welt. Und das Beste: du brauchst kein Equipment kannst Meditation wie das tägliche Zähneputzen in deinen Alltag integrieren, um dich ganz bewusst mit deiner Innenwelt und deinem Geist auseinanderzusetzen.

Die 6 größten Mythen rund um das Thema Meditation:

1. Meditation bedeutet, die eigenen Gedanken zu kontrollieren

Beim Meditieren schulen wir unsere Konzentration, indem wir wahrnehmen wie Gedanken in unserem Kopf entstehen und wie unser Geist (wie ein wild gewordener Affe) von einem zum nächsten Gedanken springt. Gedanken zu haben, ist vollkommen normal und entgegen eines weit verbreiteten Vorurteils geht es beim Meditieren nicht darum, auf deine Gedanken Einfluss zu nehmen oder sie zu kontrollieren. Gedanken sind vielmehr Teil der Meditation und auch fortgeschrittene Meditierende haben Gedanken. Was machst du also mit deinen Gedanken während du meditierst? Du nimmst sie vorbehaltlos und wertungsfrei wahr und lässt sie ziehen, ohne an ihnen festzuhalten. Wenn du mit dem Meditieren beginnst, kann es dir anfangs so vorkommen, als würdest du mehr denken als sonst. Das liegt daran, dass vielen Menschen erst im Rahmen der Meditation bewusst wird, wie viele Gedanken ihr eigener Geist pausenlos produziert. Während der Meditation kann es sogar passieren, dass du minutenlang von deinen Gedanken „weggerissen“ wirst und gar nicht mehr weißt, dass du eigentlich gerade meditierst. Auch das ist vollkommen normal. Sobald du dir dessen bewusst wirst, kehrst du einfach wieder zur Meditation zurück, ohne das „Abschweifen“ weiter zu beachten oder zu bewerten.

2. Meditation ist etwas Religiöses oder Esoterisches

Was ist religiös oder esoterisch daran, seinen eigenen Geist zu beobachten? Mit Meditationsübungen trainierst Du deinen Geist und lernst dein Innenleben kennen. Durch Meditation lernst Du enorm viel über dich selbst: wie dein Geist funktioniert, wie Gedanken deine Aufmerksamkeit wegreißen, welche Gefühle deine Gedanken in dir auslösen und vieles mehr. Meditation ist damit im Grunde genommen sogar etwas sehr Wissenschaftliches: Denn beim Meditieren geht es um das Erforschen deines Innenlebens durch deine eigene vorbehaltlose Beobachtung. Beim Meditieren geht es daher auch nicht darum, deine Gefühle zu unterdrücken und nur noch friedfertig und sanft zu sein. Wenn während deiner Meditation Gefühle wie Wut, Aggression etc. in dir auftauchen, nimmst du diese vielmehr genauso wahr, wie deine Gedanken oder anderen Gefühle. Wie fühlt sich deine Wut an? Wo spürst du sie in deinem Körper? In deiner Brust? In deinem Bauch? In deinem Solarplexus?

Thema Lotussitz: Es wird zwar empfohlen, in einer aufrechten und bequemen Sitzhaltung zu meditieren. Allerdings musst Du dabei weder im Lotus- noch im Schneidersitz sitzen, sondern kannst z.B. auch im Gehen meditieren oder während deiner alltäglichen Tätigkeiten Achtsamkeit üben (z.B. beim Spülen, Wäsche aufhängen, etc.).

3. Während der Meditation passiert etwas Besonderes

Direkt vorab: Während der Meditation passiert nichts Besonderes. Es gibt zwar Geschichten von sehr erfahrenen Meditierenden, die von bewusstseinserweiternden Erfahrungen, etc. berichten, aber das solltest Du nicht erwarten. Solltest Du solche Erfahrungen machen, solltest Du dich nicht damit brüsten, denn beim Meditieren geht es nicht um einen Wettbewerb oder darum, etwas bestimmtes zu erreichen. Innerhalb des Buddhismus gibt es nicht umsonst einige Traditionen, die es sogar untersagen über die eigenen Meditationserfahrungen zu sprechen, damit sich die Meditierende nicht mit diesen Erfahrungen identifizieren, diese als ihre eigenen „Leistungen“ ansehen und ehrgeizig darauf „hinarbeiten“. Was passiert, passiert. Wenn nichts passiert, ist das auch vollkommen ok.

4. Meditieren ist für jeden geeignet

Für die meisten Menschen ist Meditation eine wunderbare Möglichkeit, um in Kontakt mit ihrem Innenleben zu kommen. Allerdings gibt es auch Menschen, die nicht oder nur nach ärztlicher Absprache meditieren sollten:

    • Menschen, die z.B. an einer Depression, an Panikattacken, einer Psychose oder Schizophrenie leiden,
    • Menschen, die eine Persönlichkeits- oder Angststörung haben

Darüber hinaus können selbst bei psychisch gesunden Menschen durch Meditation negative Erlebnisse getriggert werden. Wenn traumatische Erlebnisse, starke Emotionen und/oder körperliche Empfindungen (Schüttelfrost, Hyperventilieren) während der Meditation bei dir auftreten, brich deine Meditationssession ab und nimm Kontakt zu einer Therapeutin/deinem Therapeuten oder einer Ärztin/einem Arzt auf.

5. Meditation ist nichts anderes als eine Entspannungsübung

Meditation im „klassischen Sinne“ ist eine Geistesübung, die höchste Konzentration erfordert. Denn bei einer „klassischen“ Meditation richtest du deine Aufmerksamkeit gezielt entweder auf ein Objekt (z.B. ein Mantra, also eine bedeutungslose Silbe oder deinen Atem) oder Du beobachtest deinen eigenen Geist, deine Gedanken und Sinneswahrnehmungen im aktuellen Moment ohne diese zu beeinflussen. Unter dem Punkt No. 1 habe ich bereits kurz das Phänomen des „Weggerissenwerdens“ durch den eigenen Gedankenstrom erwähnt, das jede/r Meditierende kennt. Je öfter Du meditierst, desto schneller wirst Du dieses „Weggerissenwerden“ bemerken, da deine Konzentrationsfähigkeit steigt. Mit dieser Art der Meditation kann auch eine tiefe Entspannung einhergehen; dieser ist allerdings lediglich ein Nebeneffekt.  

Im Gegensatz hierzu wird der Begriff „Meditation“ heutzutage geradezu inflationär für eine Reihe von Entspannungsübungen (wie z.B. geführte und mit Musik unterlegte Fantasiereisen, Affirmationsübungen, Selbsthypnosen, etc.) verwendet, die im Grunde genommen mehr mit einem Hörspiel als mit Selbstbeobachtung und Beschäftigung mit dem eigenen Geist zu tun haben.

6. Meditation macht egoistisch und weltfremd

Macht Meditation weltfremd und egoistisch? Klar: beim Meditieren beschäftigst Du dich mit dir selbst und deinem eigenen Innenleben. Allerdings führt das, was Du dort in deinem Innenleben siehst, nicht automatisch dazu, dass du egoistisch und selbstzentriert wirst. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Du erkennst deine eigenen Illusionen, die Flut deiner Gedanken, deiner Wut, deine Ängste und deine (emotionalen und körperlichen) Schmerzen. Und um dir das immer wieder anzuschauen und Schritt für Schritt anzunehmen, brauchst Du enorm viel Mut, Durchhaltevermögen und innere Stärke. Durch Meditation bekommst Du eine stärkere Verbindung zu dir selbst, deinen Bedürfnissen und Grenzen. Dadurch wirst Du achtsamer, bewusster und zugleich klarer und in gewisser Weise auch kompromissloser. Weil Du innerlich unabhängiger von der Meinung und den Erwartungen anderer bist, gewinnst Du an Stärke, Mut und Zuversicht deinen eigenen Weg zu gehen. Im Laufe der Zeit wirst Du gelassener und kannst das Leben so akzeptieren wie es ist. Und da Meditation dir dabei hilft, deine eigenen Emotionen zu verstehen, sie zu fühlen und mit ihnen umzugehen, schafft sie die Basis, um anderen Menschen mit Authentizität zu begegnen und echte Verbundenheit zu leben, ohne sich selbst aufzugeben. Durch Meditation lernst Du damit sowohl deine innere, als auch die dich umgebene Realität bewusst wahrzunehmen.

Welche Erfahrungen hast Du bisher mit Meditation gemacht? Und welche Mythen und Vorurteile sind dir bisher zum Thema Meditation begegnet?

Schreib mir gern auf Instagram oder per E-Mail an team@potentialhub.de.